Meine japanische Freundin Miwa designt Cockpits für NASA Raumschiffe, nicht unweit von meinem Haus ist das Moffett Airfield mitten im Silicon Valley, gleich neben dem riesigen Google-Campus. Und dort kann man auch die Starts und Landung der Raumfähren auf der Leinwand mitverfolgen. Damit es es jetzt vorbei. Der letzte Flug eines Spaceshuttles ist beendet und die NASA hat nun offiziell seit 50 Jahren weder eine Rakete, noch ein Raummodul und auch kein Nachfolgeprogramm für den bemannten Raumflug.Die US-Medien jammern bereits, dass die USA somit zum Entwicklungsland wird und nun auf die Hilfe von russischer Raumfahrttechnologie angewiesen ist. Noch größer ist aber die Angst, dass mit der Einstellung der Raumfährenflüge und der fehlenden Vision die Ingenieure an den NASA-Standorten abwandern und ihre Zukunft in Unternehmen mit Perspektive suchen werden. Damit verliere die NASA ihre klügsten Köpfe und das Wissen um Weltraumflüge.
Das Jammern ist verständlich, und es ist sicherlich eine nicht leichte Zeit für die betroffenen NASA-Mitarbeiter, aber geben wir unumwunden zu: die NASA hat schon seit Jahren nicht mehr den Glanz und die Innovationskraft wie zu Anfangszeiten des Weltraumprogramms. Zwei Shuttleabstürze, mehrere zerschellte und verschwundene Raumsonden, schielende Raumteleskope, und dann machen ein paar private Firmen mit nicht mehr Geld als was die NASA alleine an Porto jedes Jahr ausgibt erste Suborbitalflüge. Spaceship X und Co haben in den letzten Jahren gezeigt, wie man Raumflug wirtschaftlich machen kann.
Die Geschichte erinnert ein bisserl an die Voest. Diese begann unter den Nazis mit dem "größeren Ziel" den Russen und der Welt eins auszuwischen (sprich "erobern"), die NASA begann mit dem "größeren Ziel", den Russen eins auszuwischen und einen Mann auf den Mond zu setzen. Letzteres hat auch geklappt, doch dann kam die Sinnkrise. Die Mondlandung war mit gleichbleibenden Mitteln nicht zu übertreffen.
Bei der Voest hat man nach dem Krieg von den vorherigen Projekten profitiert, indem man nun Material geliefert hat für den Wiederaufbau. Die anderen eigenen Produkte hatten es kaputt gemacht. Bis es in den 70er und 80er Jahren nicht mehr ging. Milliardenverluste, ein Bundeskanzler Kreisky, dem ein ein paar Millionen mehr Staatsdefizit weniger schlaflose Nächte als Arbeitslose bereitete, und der die Voest massiv aus Steuergeldern subventionieren ließ. Mit dem Ergebnis, dass immer noch kein Gewinn und Wirtschaftserfolg da war und am Ende doch Arbeiter entlassen und die Voest privatisiert wurde. Ein Schritt, der letztendlich noch schmerzhafter ausfiel, weil er so lange hinausgezögert wurde.
Und heute? Profitabelstes Stahlwerk weltweit. Wie das? Weil man das Kerngeschäft von unintelligenten Billigprodukten zu Spezialstählen und ähnlichen Produkten mit wesentlich höheren Gewinnspannen umbaute. Und als privates Unternehmen konnte flexibler reagiert werden. Und alle sind zufrieden. Die Aktionäre, die Arbeitnehmer, die Kunden, die Region.
Die NASA befindet sich heute der Voest gleich in den 70er Jahren. Ein Moloch, der massiv Budget verschlingt, aber nur bescheidenen Output hat. In der NASA–Bürokratie geht vieles unter. Viele Arbeitnehmer, die mit der verklärten Vision antraten herauszufinden, was denn "da draußen" ist und "ob wir alleine sind", haben jegliche Hoffnung verloren, auch nur das Geringste bewegen zu können. Einzig und allein das Shuttleprogramm hat viele noch gehalten und das Dahinsiechen verlängert.
Jetzt aber ist auch das vorbei. Und das bringt eine unvergleichliche Chance. Privatunternehmen schwirren der NASA um die Nase, es gibt Bewegung. Diese benötigen genau das Wissen, dass die NASA so lange unproduktiv gebunden hat und können es jetzt in ausreichender Menge einkaufen. Technologie heute ist so billig geworden, dass man nicht mehr als den sprichwörtlichen "Apfel und Ei" braucht, um Weltraumforschung zu betreiben und Raumfahrt zu machen. Was früher hunderte Milliarden und die Anstrengung eines ganzen Landes kostete, kann jetzt mit wenigen hundert Millionen gemacht werden. Ein Klacks im Vergleich für die sonst üblichen Dimensionen.
Präsident Obama hat das Shuttle-Nachfolgeprogramm "Constellation" kurzerhand gestrichen und damit begründet, dass Raumfähren von privaten Unternehmen ähnlich wie Taxiunternehmen entwickelt und betrieben werden müssen, während die NASA sich auf die Erforschung des "Deep Space", also des weiten Weltraums, inklusive Marsflug, Mondstation und ähnlichem widmen soll. Auch wenn Obama nun Kritik der NASA-Anhänger trifft, in gewisser Weise hat er recht. Überlasst das profitable Tagesgeschäft den Privaten, und der Staat (die NASA) kümmert sich um die auf lange Zeit nicht profitable und esoterische Erforschung der kosmischen Weiten. Eine meines Erachtens sinnvolle Teilung und Nutzung.
Auch meine japanische Bekannte sieht sich nun nach einem neuen Job um, hier im Silicon Valley. Und mich würde es nicht überraschen, wenn wir in den nächsten Jahren einige bahnbrechende Innovationen in der Raumfahrt sehen werden, die genau durch das Ende des Raumfährenprogramms "gezündet" wurde. Und vielleicht aussieht wie ein Spaceshuttle-Cockpit von Miwa.
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